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Dienstag, 17. Januar 2017

Liebster Award

Tina vom wuenschekindereltern-Blog hat mich für den "Liebster Award" nominiert. Dafür bedanke ich mich sehr und freue mich darauf, deine tollen Fragen zu beantworten!

Da Sohnemann grade friedlich mit einem leeren Korb spielt (für was braucht man Spielzeug?!) leg ich jetzt einfach mal los. Mal gucken wie weit ich komme. Das war am 11.01. Heute ist der 17. Mehr brauch ich glaube ich nicht zu sagen, oder?



1 Wirst Du Deinen Kinderwunsch-Blog weiterführen? Und könnte es jemals ein ‚normaler‘ Mami-Blog werden?

Ich führe den Blog weiter, ja. Aber wie man sieht, nicht allzu regelmäßig. Leider. Ich habe die Hoffnung, dass sich das ändert. Irgendwann. Vielleicht. Aber so ein klassischer Mami-Blog wird es wohl nie werden. Da gibt es erstens bereits sehr viel andere die alle sehr viel besser schreiben wie ich. Und zweitens schon von der Thematik her.
Da dieser Blog aber auch nie ein reiner Kinderwunsch-Blog war behalte ich ihn bei. So wie er ist. Nur eben wie gesagt in der Hoffnung, wieder öfters zu bloggen.


2 Glaubst Du, dass Ex-Kinderwunscheltern ihre Kinder besonders lieben?
Hmm. Über diese Frage musste ich tatsächlich eine Weile nachdenken. Besonders.... Wenn das "besonders"gemeint ist im Sinne von "stärker lieben" dann glaube ich nicht. Diese Liebe zu seinem Kind... Die ist schon so gigantisch, ich glaube nicht, dass es da noch eine Steigerung gibt.
Ich glaube aber, dass Kinderwunsch-Eltern ihre Kinder anders "zu schätzen wissen" - ohne jetzt hiermit die "normalen" Eltern angreifen zu wollen, um Gottes Willen. Aber ich glaube, dass man gewisse Dinge, Tatsachen, Gegebenheiten - und eben grade auch Kinder - mit anderen Augen sieht wenn man (lange) dafür kämpfen musste. Zumindest habe ich täglich im Kopf, was mein Sohn für ein riesengroßes Geschenk ist und wie froh und absolut dankbar ich bin, dass er da ist. Dass ich einen gesunden Sohn bekommen habe. Ja, ich glaube das ist das Besondere. Diese Dankbarkeit. Jeden einzelnen Tag.


3 … besonders besorgte Eltern sind?

Das glaube ich nicht, nein. Zumindest ist es - soweit ich das eben beurteilen kann, schließlich weiß ich nicht wie ich als Mutter gewesen wäre wenn es gleich geklappt hätte - bei mir nicht der Fall. Ich schätze eher, dass das Charakter- bzw. Einstellungssache ist. Es gibt eben besorgte und weniger besorgte Menschen. Und das ist auch gut so.



4 … sich in irgendeiner anderen Weise von anderen Eltern unterscheiden?
Ja. Aber wieder spreche ich nur für mich und aus meiner Sicht. Mir fiel und fällt es schwer, mir einzugestehen, dass mein Sohn mich auch mal nervt. Dass ich sein - an manchen Tagen nicht enden wollendes - Gejammer und Gemotze und Genöle und Geweine nicht mehr hören kann. Dass er mich manchmal an meine Grenzen bringt. Und darüber hinaus. Dass Schlafentzug Folter ist. Und dass eben auch mit Kind nicht alles Friedefreudesonnenschein ist. Ich glaube, dass sich Nicht-Kinderwunsch-Eltern da leichter tun. Bei mir kam dann immer der Gedanke "Was willst du denn?! Jetzt hast du was du immer wolltest also sei gefälligst zufrieden." 
Es ist aber völlig normal, dass man auch mal erledigt ist. Und wenn einem jemand den ganzen Tag die Ohren voll jammert ist es auch normal, dass das irgendwann nervt ;) Und das darf einen auch als Kinderwunsch-Mama nerven.
Ein Kind ist... Noch nie habe ich stärker geliebt, noch nie war ich glücklicher jemanden in meinem Leben zu haben wie meinen Sohn. Er schafft sozusagen neue Dimensionen. Aber halt in beide Richtungen. So sehr wie ich ihn liebe - so sehr kann er mich auch an meine Grenzen bringen.


5 Ist der Schmerz über den unerfüllten Kinderwunsch noch da? Und wenn ja, wie hat er sich verändert?

Auch hier: Ja. Für mich ironischer Weise. Wobei Schmerz vielleicht nicht ganz das richtige Wort ist. Als ich schwanger war hat es mir z.B. im ersten Moment immer noch einen Stich versetzt, wenn ich einen Babybauch gesehen habe. Da musste ich mich dann immer erstmal dran erinnern, dass ich selbst schwanger war und eine Kugel vor mit her geschoben habe. So als wäre dieses Gefühl was man beim Anblick eines Babybauches empfindet eben noch in meinem Körper gespeichert. Und als würde das völlig automatisch ablaufen im ersten Moment. Im zweiten kommt dann wie so ein kurzes Kopfschütteln und eben die "Erinnerung" an den eigenen Babybauch.

Heute ist es noch, wenn ich von jemandem höre, dessen Familienplanung exakt genau so läuft wie er / sie sich das vorgestellt hat. Easypeasy. Aufgehört zu verhüten, zack schwanger. Da kommen dann schon mal Wehmut und Gedanken wie "Wieso ist es bei denen so einfach" oder "Wieso hatten wir es so schwer".
Zumal ich immer schon jung Mama werden wollte und am Liebsten 4 Kinder gehabt hätte. Alt bin ich jetzt zwar auch noch nicht, aber eben deutlich älter, als ich beim ersten Kind gerne hätte sein wollen. Und vier Kinder werden es mit Sicherheit auch nicht mehr ;)

Was mich nach wie vor echt fuchsig macht ist, wenn jemand mit 2 Monaten "Kinderwunsch-Zeit" Tipps und kluge Ratschläge gibt. Ja, ich weiß. Kinderwunsch ist Kinderwunsch ist Kinderwunsch. Aber mal ehrlich, wenn jemand im 2. ÜZ schwanger wurde hat er einfach keine Ahnung. Ist so. Das ist schön für die betreffende Person. Wirklich. Aber wenn diese dann anfangen, Kinderwunsch-Tipps zu verteilen finde ich das etwas anmaßend.


6 Hast Du Dich durch die Kinderwunschzeit verändert? Eher zum Guten oder eher zum Schlechten?

Verändert? Definitiv. Ich bin heute eine völlig andere als zu Beginn meiner und unserer Kinderwunsch-Zeit.

Die Kinderwunsch-Zeit war eine harte Schule. Komischerweise würde ich aber sagen, dass ich heute geduldiger und irgendwie auch gelassener bin als zuvor. Ich habe akzeptiert, dass man Gewisse Dinge eben nicht beeinflussen oder gar erzwingen kann sondern hinnehmen darf wie sie eben sind.

Rückblickend würde ich also sagen, dass ich mich mehr zum Positiven verändert habe. Es war eine harte Zeit, aber ich habe auch viel daraus mitgenommen. In diesen 9 Jahren habe ich hart an mir gearbeitet. Weil es mich sonst innerlich zerrissen hätte.


7 Was hättest Du mit Deinem Leben getan, wenn Du am Ende kein Kind bekommen hättest?

Darüber habe ich mir nie ernsthaft Gedanken gemacht. Und ich bin jeden Tag dankbar, dass ich das nun auch nicht muss.

Ich bewundere jede einzelne starke Frau, deren Wunsch sich leider nicht erfüllt hat und die ihr Leben nach dieser Zeit in die Hand nimmt und "umplant". Und das ist jetzt nicht mitleidig gemeint, sondern ganz, ganz ehrlich.


8 Hast Du Freundschaften durch die Kinderwunschzeit verloren?

Hmm. Jetzt so direkt wegen des unerfüllten Kinderwunsches und der langen Zeit nicht, nein.


9 Gibt es etwas, das Dich am Umgang mit dem unerfüllten Kinderwunsch immer noch nervt, obwohl es Dich nicht mehr betrifft?

Dass nach wie vor so viel hinter vorgehaltener Hand getuschelt und gemunkelt wird, wenn man eben nicht direkt nach der Hochzeit schwanger wird. Also von anderen Leuten. Dass Leute, die keine Ahnung haben direkt mit klugen Ratschlägen um die Ecke kommen. Und dass die Leute immer noch meinen, unerfüllter Kinderwunsch habe ausschließlich mit dem Kopf zu tun und dann "kluge Ratschläge" erteilen à la "Fahrt doch mal in Urlaub" oder "Versteif dich nicht so drauf."

Außerdem finde ich es gelinde gesagt zum Kotzen, dass man sehr tief in die eigene Tasche greifen muss. Ich meine hallo?! Das ist ja nun kein Luxusurlaub oder gar eine Schönheits-OP von dem wir hier reden. Sondern der Wunsch nach einem Kind / nach Kindern. Wieso muss man dann Tausende von Euro hinblättern?! Wieso zahlen hier die Kassen nichts bzw. sehr wenig?! Das verstehe ich einfach nicht und das macht mich stinkwütend. Nach wie vor.


10 [Achtung: Rhetorische Frage] Hat sich der Weg gelohnt?

Achtung - Rhetorische Antwort: Ja. ;)


Kommentare:

  1. Schön geschrieben :-)
    Vieles empfinde ich GANZ GENAU so!
    Liebe Grüße, Tine

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  2. Ach Liebes, so viel von deinem Text hätte auch von mir sein können.. Gott ich bin so froh dass wir es geschafft haben, nicht umplanen müssen. Auch wenn es echt anstrengende Momente gibt, aber im Herzen ist so viel Liebe und Glück ��

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  3. Hey, meine Liebe, endlich klappt das Kommentieren mal wieder auf deiner Seite. Sitze gerade am PC. Blogger und Wordpress scheinen sich per Smartphone nicht zu mögen. ;-) Ich lese immer wieder gerne von dir, auch wenn ich mich nicht jedes Mal melden kann.

    Mir geht es sogar noch heute so, wenn ich Schwangere sehe. Neulich hat unsere Nachbarin verkündet, dass sie sich in der 7. Woche befindet und ich fand es irgendwie merkwürdig/befremdlich, eine Schwangerschaft so früh zu verkünden. Ich verspüre immer einen Stich, weil bei anderen schwangerschaftsmäßig so vieles aalglatt verläuft, dass sie sich über Fehlgeburten, Eileiterschwangerschaften überhaupt keine Gedanken machen (müssen).

    Ich kann so mitfühlen, es gibt mit den Mäusen sooooo anstrengende Zeiten, aber auch so viele wunderwunderschöne. Diese überwiegen doch wirklich alles. Fühl dich umarmt, ich freue mich jetzt schon wieder deinen Namen in meiner Reader-Liste zu sehen. ♥ Alles Liebe! Schwani

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  4. Ups, erst jetzt gesehen, dass Du so lieb und ausführlich geantwortet hast. Danke ;) Ich glaube übrigens auch, dass ich mich letztlich zum Positiven verändert habe. Ich habe hart um etwas gekämpft, viel verloren und am Ende doch gewonnen. Das hat mich einerseits stärker, aber auch (noch... seufz) sensibler gemacht. LG Tina

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  5. kann ich fast alles unterschreiben! Vor allem Frage 2. Sehr interessantes Interview!!! ;-*

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