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Mittwoch, 4. November 2015

Chefsache...

Ich glaube, ich habe bereits das ein oder andere Mal aus der Irrenanstalt und von meinem Chef erzählt. Davon, dass hier vieles nicht so läuft wie es eigentlich sollte. Und davon, dass mein Chef sich oft nicht korrekt verhält.

Dieses Mal jedoch hat er mich überrascht. Und zwar zur Abwechslung mal positiv.

Nachdem ich ja zu Beginn der Schwangerschaft vier Wochen krank geschrieben war - und es bereits in der 1. Krank-Woche abschätzbar war dass es noch eine Weile dauern würde, auch weil die Blutungen mir psychisch sehr zusetzten - haben der Göttergatte und ich lange überlegt ob ich meinem Chef nun die Wahrheit sage oder nicht. Letztlich kamen wir beide zu dem Ergebnis, dass es das Richtige wäre.

Ich hatte mächtig Schiss davor, meinem Chef zu sagen was Sache war. Vor allem deswegen, weil er bisher nicht der Schweigsamste war. Leider auch dann nicht, wenn man ihn ausdrücklich darum bat. Erst hatte ich vor, persönlich im Büro zu erscheinen. Da war mir dann aber 1. der Weg zu weit bzw wäre ich für meinen Geschmack zu lange auf den Beinen gewesen und 2. tut man sich persönlich oft noch viel schwerer. Also entschied ich mich für das Telefon.

Ich rief im Büro an. Natürlich ging eine meiner nicht gemochten Kolleginnen dran und wollte direkt wissen was ich habe. Als ich dazu nichts sagte sondern direkt den Chef verlangte stutzte sie kurz. Mein Glück, denn so konnte sie nicht weiter fragen und stellte mich stattdessen zum Chef durch. Ich fragte ihn zuerst, ob er kurz Zeit hätte. Er bejahte. Ohne dann noch weiters zu überlegen erzählte ich es ihm. Als ich meinen Monolog beendet hatte bat ich ihn noch mehrmals ausdrücklich darum, es wirklich, wirklich für sich zu behalten. Es auch nicht dem Betriebsrat zu sagen. Schlicht niemandem. Ich erklärte ihm, dass ich es nicht wollen würde, dass jeder Bescheid wisse falls ich das Kind eben doch verlieren sollte. Er versicherte mir, Stillschweigen zu bewahren. Das würde er voll und ganz verstehen sagte er. Ich war einigermaßen beruhigt.

Bereits am nächsten Tag rief er mich zu Hause an, erkundigte sich wie es mir ginge und "wollte mir nur eben sagen, dass alle fragen ob Sie schwanger sind." Auf meine Frage was er denn dann geantwortet habe sagte er nur: "Nichts." Und dass er aber meine, die Kolleginnen würden es stark vermuten. Ich sagte dann nur: "Vermuten heißt dennoch nicht wissen." Dann war das Gespräch auch schon wieder beendet.

Das gab mir dann ein ganz gutes Gefühl. Ich glaubte ihm, dass er dicht gehalten hatte. Und das hat er tatsächlich bis heute.

Als ich dann wieder anfing zu arbeiten lies er mich in sein Büro kommen. Er wollte wissen wie es mir ginge und ob alles in Ordnung sei. Als ich dies bejahte und sagte mir ginge es gut hat er sich sehr gefreut. Er wollte dann noch wissen, ob wir uns schon Gedanken gemacht hätten wie es dann weiter gehe wenn das Baby da sei. Also so Elternzeit- / Arbeitstechnisch. Ich sagte, ja, aber wirklich nur Gedanken. 1 Jahr möchte ich auf jeden Fall zu Hause bleiben. Und dann evntl. - wenn es machbar ist - in Teilzeit wieder arbeiten gehen.
Er erzählte mir dann von seinem Sohn und wie es bei ihnen war. Seine Frau ging nach einem Jahr wieder Vollzeit arbeiten und sie hatten eine Nanny für den Jungen. Abends hatte dann keiner mehr wirklich einen Nerv für den Sohn, sodass er eigentlich 24/7 von der Nanny betreut wurde. Dies würden sie heute beide sehr bereuen, er könne mir wirklich nicht empfehlen es auch so zu machen. (Das habe ich auch auf keinen Fall vor.)

Auch das hat mich sehr überrascht, wirkte er bisher nie so, als würde ihm sonderlich viel an Kindern liegen.

Er fragte dann noch, wann ich es im Büro offiziell machen würde. Ich sagte, die 12. Woche warte ich auf jeden Fall noch ab und dann mal gucken.

Und jetzt war es soweit. Diese Woche habe ich meinen Kolleginnen gesagt, dass ich schwanger bin. Hauptsächlich deswegen, weil ein paar Aufgaben anstehen die eben nur 1x im Jahr erledigt werden müssen. Und da ich meine Aufgaben ja übergeben und die entsprechende Kollegin einarbeiten muss... Wenn es nach mir gegangen wäre hätte ich es ihnen gar nicht gesagt. Oder besser gesagt nur den beiden, mit denen ich mich gut verstehe. Die Hexen hätten es wegen mir nicht erfahren müssen. Was utopisch ist, ich weiß. Na jedenfalls war und ist das immer noch sehr strange... Anderen zu sagen dass ich schwanger bin...

Tatsache ist, dass ich mich in dieser Angelegenheit sehr in meinem Chef getäuscht habe. Sonst mag er sein wie er will - hier verhält er sich top.

Er gibt mir ein gutes Gefühl und behandelt mich nicht anders als vorher. Er gibt nach wie vor auch wichtige Aufgaben an mich weiter und lässt mich überhaupt nicht spüren, dass ich in einer gewissen Zeit dann erstmal nicht mehr im Büro sein werde.

Und auch was meine Stelle betrifft hat er sich Gedanken gemacht. Da zwei, drei Kolleginnen eh gerne mehr arbeiten möchten möchte er meine Elternzeit so überbrücken. Und den entsprechenden Kolleginnen auch gleich sagen, dass die erhöhte Stundenzahl eben nur so lange gilt bis ich wieder zurück komme. Und er rechnet fest damit, dass ich das tue.
Nach einer kurzen Pause sagte er dann noch, dass es für ihn jetzt erstmal wichtig sei, dass es mir gut ginge und dass ich mich wohl fühlen würde. Alles weitere würden wir schon geregelt bekommen. Gegebenenfalls eben auch nach und nach.

Hätte mir vorher jemand gesagt, wie sich mein Chef in dieser Angelegenheit verhalten würde, ich hätte ihm nicht geglaubt. Niemals. In 100 Jahren nicht. Tja. Mein Chef hat mich eines besseren belehrt. Und ich sage: Danke, Chef!

Kommentare:

  1. Ja...manchmal täuscht man sich in Menschen. Positiv wie negativ.
    Da hat er noch mal Glück gehabt würde ich sagen!

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    1. Da hast du vollkommen Recht. Mit beidem.

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  2. Ich finde es superklasse. Jetzt kannst du auch im Büro entspannt herumschwangern. 😉

    ❤️

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  3. Klingt ja echt supi! Und ich hätte auch wirklich nicht damit gerechnet, dass er weiter dicht gehalten hat! Respekt...
    Und grundsätzlich hat er es dem Betriebsrat nicht zu erzählen - das geht den erst etwas an, wenn dadurch personell schnell was geändert werden soll und nicht in 7 Monaten... (da kenn ich mich aus)
    Die Lösung der Arbeitsaufteilung klingt ja auch super - eine echte Win Win Situation!
    Jetzt genieß das Arbeiten - in einem Hauch von Watte - da kommt bestimmt noch einiges an Watte hinzu!
    Alles Liebe!

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    1. Jaaa, die Sache mit dem Betriebsrat. Unserer ist "anders" als andere bzw. normale Betriebsräte ;) Deswegen habe ich das so ausdrücklich betont. Da sitzt nämlich eine Tratsch-Hexen-Kollegin drin und der erzählt der Chef normalerweise alles. Egal ob nötig oder nicht. Naja. Es hat dicht gehalten. Das ist es was zählt.

      Dir auch alles Liebe!

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  4. Auch Chefs können manchmal menschlich sein. :-) :-)

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