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Donnerstag, 15. Oktober 2015

Ach jaa, die Kinder. Oder: Mach ma lieber Karriere.

Eben unterhielten sich zwei Mütter (beide Ende 40) über ihre Töchter (Anfang / Mitte 20).

Tochter Nr. 1 schließt die Schule zwar gut, aber nicht überragend ab. Dafür hängt sie sich jetzt voll in ihre Karriere, hat nach der Ausbildung Abitur gemacht und anschließend weiter mit dem Betriebswirt. Dann machte sie den Ausbilder und momentan arbeitet sie an ihrem Bachelor.

Tochter Nr. 2 schließt die Schule sehr gut mit 1,1 ab, macht eine Ausbildung und arbeitet bis vor knapp einem Jahr in ihrem Beruf. Dann bekommt sie psychische Probleme weswegen sie ihren Beruf nicht weiter ausüben kann. Sie wird krank geschrieben und ist es derzeit noch. Sie ist jetzt 24, wird nächstes Jahr heiraten und möchte dann gleich Kinder bekommen.

Mutter 2 erzählt das eben Mutter 1. Weil man kennt sich ja und so. Nun geht Mutter 1 aber her und drängt Mutter 2 dazu, ihrer Tochter ins Gewissen zu reden. Das sei doch Verschwendung. Sie sei doch so intelligent. Bei DEM guten Schulabschluss. Sie hätte doch Grips. Würde es locker packen, beruflich voll durchzustarten. Sie soll lieber mit den Kindern noch warten und erstmal Karriere machen. Denn das würde sie sonst später bitter bereuen. Kinder könne sie später auch noch bekommen. Aber mit Kindern Karriere machen?! Sie würde es garantiert bereuen, wenn sie keine Karriere machen würde. Man brauche heutzutage doch einen sicheren Job und eine gute Position im Berufsleben. Es gehe nichts über Karriere.

Wieso? Wieso MUSS man denn unbedingt Karriere machen? By the way, beide Mütter haben ganz "normale" Jobs. Teilzeit. Nichts mit Karriere und so...

Ich sage garantiert nichts, wenn jemand Karriere machen möchte. Von sich aus. Logisch, haut rein, Mädels. Aber wieso traut man einer 24jährigen nicht zu, selbst entscheiden zu können was sie in ihrem Leben machen und erreichen möchte und was ihr wichtig ist im Leben. Wieso ist es Verschwendung, jung Mama werden zu wollen? Wieso ist es Verschwendung, eine Familie gründen zu wollen? Und wieso maßen sich "fremde" Leute an, darüber zu urteilen was denn nun Verschwendung ist und was nicht?

Klar kann Mutter 2 sagen, dass sie sich darüber sorgt, was ihre Tochter dann macht wenn die Kinder mal groß sind. Dass sie doch auf eigenen Beinen stehen sollte. Dass es besser sei, wenn sie nicht abhängig von ihrem Mann sei. Dass es besser sei, wenn sie nach den Kindern einen Job hätte in den sie zurückkehren könnte. Dass man sich als Mutter Sorgen und Gedanken macht lasse ich gelten. Logisch.

Aber jung eine Familie gründen zu wollen als Verschwendung hinzustellen? Ganz schön hart.

Und ja, vermutlich macht es mich persönlich deswegen so betroffen, weil ich mir das auch anhören musste. Damals. Vor sechs Jahren. Als wir beschlossen, eine Familie gründen zu wollen. Aber 1. kam alles anders und 2. als geplant. Karriere habe ich trotzdem nicht gemacht. Weil das einfach nicht meins ist. Ellenbogen und so. Nö, lass mal. Bin ich nicht der Typ für.

Was aber viel wichtiger ist: Ich habe meinen Weg gefunden. In jeglicher Hinsicht. Und genau DAS wünsche ich Tochter Nr. 2 auch. Beiden Töchtern. Dass sie ihren Weg finden. Unabhängig von dem, was ihre Mama oder gar wildfremde Leute sagen.

Kommentare:

  1. Der Klassiker....ich wollte immer Karriere machen, aber mein Arbeitgeber hat mir die Entscheidung abgenommen. Logistik ist halt immer noch eine Männerdomaine...aber hey jetzt sitz ich da und lege den hohen Herrschaften die Karten damit sie auch wissen was sie in ihren "wichtigen" Meetings zu sagen haben. Auch ne Art von Karriere :)
    Denn hinter jedem Mann steht eine starke Frau.

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  2. Mütter...so sind se. :))

    Im Ernst: Ich glaube das die eine Mutter vielleicht selber gerne Karriere gemacht hätte. Vielleicht ist sie selber zu jung Mutter geworden und rät nun davon ab. Natürlich ist das deplatziert. Ist sowas ja generell, denn nur wenn sich jemand Rat bei einer bestimmten Person holt, hat diese dann evl. ihren Senf dazuzugeben. Ansonsten: "Bitte halten Sie die Fresse" (da fällt mir ein, so nenne ich meinen anstehenden Post. Ja, ja, DAS passt!). Jedenfalls teile ich deine Ansicht, dass jede Frau so emanzipiert sein sollte/dürfte, dass sie sich auch in jungen Jahren GEGEN eine Karriere entscheiden kann ohne dafür verurteilt zu werden. Wenn ich allerdings auf mein biblisches Alter verweisen darf (als Referenz sozusagen *kicher*): Ich fand es immer sehr wichtig, dass ich auf eigenen Beinen stehen kann bevor ich Mutter werde. Aber das ist natürlich meine persönliche Meinung. Und ob ich Karriere gemacht habe, darüber denke ich jetzt mal beim Einschlafen nach. Tschüssi! ❤️❤️❤️❤️

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    1. Dass die sich so aufdrängt fand ich so ätzend. Naja. Vermutlich hast du Recht. Selbst keine Karriere gemacht und selbst (zu?) jung Mutter geworden. Daher muss heute das Kind die Träume der Mutter ausleben. Gibt es ja leider oft, ne?!

      Auf eigenen Beinen zu stehen finde ich auch wichtig. Sehr. Aber das ist für mich nicht gleichbedeutend mit Abi, Bachelor und was weiß ich alles.

      Auf deinen Post bin ich gespannt. Bei dem Titel ;) Und ich hoffe, du hast gut geschlafen :-*

      ❤️❤️❤️❤️

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  3. Mütter wissen eben nicht immer was das Beste für ihre Kinder ist...und Kinder, die machen es manchmal tatsächlich einfach besser als ihre Mütter. Und das ist in manchen Fällen sehr gut so...

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  4. Das sind meistens die Unterhaltungen an der Fleischertheke, wenn die Mütter sich ansonsten nicht (mehr) viel zu erzählen haben. Das kommt mir soooo bekannt vor. Dann geht's immer um die Kinder und deren Karrieren. Und einer quatscht dumm Zeuch, über das man sich dann ärgert. Nicht hinhören!! ;-)

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    1. Fleischertheke? :D

      Stimmt, weghören ist oft am Besten. Bei euch alles gut? Was macht das kleine Schwänchen?

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  5. Die Fleischertheke ist kein Witz. Früher hat meine Mutter dort die meisten Leute getroffen, die für Klatsch und Tratsch im Ort zuständig sind. Vor fünf Jahren ging mir das immer so auf den Zeiger. Vor allem die Frage: Naaaa, wann werdet ihr denn zu Großeltern gemacht???!!! Würrrrrgggg! Heute höre ich “Warum schreit denn der Kleine? Hat er Hunger?“ Auch furchtbar. Ja klar, ich fahre gerne mit einem sich gerade einschreienden Baby durch den DM während der Einkaufswagen prall gefüllt ist. Aber ansonsten alles gut bei uns. Die Leute sind teilweise seeeeehr merkwürdig. Aber beruhigend, dass das auch bei euch der Fall ist. ;-)))))

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